11.700 Gäste blicken hinter die Türen des Bundestages
Dank Sonnenschein satt und sommerlicher Temperaturen in Berlin haben am Sonntag, 3. Mai 2026, viele mit den Füßen abgestimmt und sich für einen Besuch im Deutschen Bundestag entschieden, der seine Türen zum traditionsreichen „Tag der Ein- und Ausblicke“ (TEA) geöffnet hatte. Das Reichstagsgebäude und die anderen Parlamentsbauten des Deutschen Bundestages standen am Sonntag Besucherinnen und Besuchern offen.
11.700 Gäste haben die Arbeitsweise des Parlaments erlebt, den Plenarsaal besichtigt, mit Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und den Bundestagsvizepräsidentinnen und -präsidenten sowie Abgeordneten diskutiert und die ikonische Kuppel besucht. Neben Politik zum Anfassen wurde viel Wissenswertes für Kinder und Jugendliche in spielerischer Form präsentiert. Das abwechslungsreiche Programm reichte von Ausstellungen und Vorträgen über Quizfragen bis hin zu Architektur- und Kunstführungen, Livemusik, Tanzperformances und Kinderschminken.
Bundestagsvizepräsidentin eröffnet den TEA
Am Morgen eröffnete Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz (CDU/CSU) im Westportal vor der Abgeordnetenlobby des Reichstagsgebäudes den Tag der Ein- und Ausblicke und begrüßte die ersten Gäste. „Der Deutsche Bundestag ist Ihr Haus. Dieses Haus gehört uns, den Bürgerinnen und Bürgern. Sie wählen die Abgeordneten des Deutschen Bundestages“, sagte Lindholz vor rund hundert frühen Besuchern. „Das Volk ist der Souverän. Und deshalb lautet auch die Inschrift über dem Westportal des Plenargebäudes: ‚Dem deutschen Volke'.“

Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz (CDU/CSU) während der Eröffnung des Tags der Ein- und Ausblicke im Westportal des Reichstagsgebäudes (© DBT/Christina Czybik)
Der Tag der Ein- und Ausblicke biete die Gelegenheit für eine Reise durch den „Maschinenraum der Demokratie“. Anschaulich werde heute, wie das Parlament arbeitet: in den unterschiedlichen Gremien, nicht nur im Plenum, sondern vor allem auch in den Fachausschüssen. „Sie sind heute dort, wo Ideen geboren, Kompromisse geschmiedet und Entscheidungen gefällt werden und erhalten Einblicke, die sonst vor den Kameras geschützt werden.“
Präsentation der Bundestagsverwaltung
Wie sie den Parlamentsalltag am Laufen hält, das zeigte die Bundestagsverwaltung mit ihren Präsentationsständen auf der Plenarsaalebene. So sorgen die Parlamentsdienste für einen reibungslosen Ablauf der Beratungen und Abstimmungen im Plenum. Hellblau, weiß, rot - für ja, Enthaltung oder nein: Die Besucher konnten dort die Abstimmungskarten der Abgeordneten und die Urnen in Augenschein nehmen.
Wie Reden, Zurufe und Beifälle, kurzum die gesamte Stimmung im Plenarsaal, dokumentiert werden, das zeigte der Stenografische Dienst, der seine Arbeit im Lauf der Jahrzehnte immer weiter perfektioniert hat. Heutzutage zusammen mit digitaler Technik, die ein wichtiges Hilfsmittel geworden ist, jedoch noch lange kein Ersatz für das Stenografen-Team sein kann. Beides geht Hand in Hand: Die Parlamentsstenografen halten alles fest, was passiert, und können menschliche Zusammenhänge zweifelsfrei herstellen. Für die Abgeordneten sind sie somit das, was im Fußball der Videobeweis ist.
50 Jahre digital - also noch lange vor der breiten Einführung des Internets: Dass seit 1976 das Dokumentations- und Informationssystem für Parlamentsmaterialien (DIP) Plenardebatten, Gesetzentwürfe, Anträge, Anfragen und Berichte digital dokumentiert, erfuhren Besucherinnen und Besucher am Stand der Parlamentsdokumentation. Seit Gründung der Bundesrepublik 1949 sind Parlamentsmaterialien, jede Rede und jedes Gesetz - öffentlich zugänglich. Mit einem Recherche-Quiz konnten Interessierte sich in der DIP-Datenbank auf die Suche nach konkreten Vorgängen und Sachverhalten machen.
Das Gedächtnis des Bundestages
Im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus (MELH) konnten Besucherinnen und Besucher zudem das „Gedächtnis des Deutschen Bundestages“, das Parlamentsarchiv, kennenlernen. Hier werden alle Unterlagen aus dem Bundestag verwahrt, die einen bleibenden historischen oder rechtlichen Wert haben, darunter Akten, Protokolle, Bilder und Videoaufzeichnungen. Zu dem Informations- und Dienstleistungszentrum des Deutschen Bundestages gehört außerdem die Bibliothek. Sie umfasst 1,6 Millionen Bände, es kommen jährlich 6.000 Neuzugänge hinzu und das Magazin ist mehr als 8.000 Quadratmeter groß. Bei einem Rundgang durch die Ebenen des Lesesaals und das Magazin im Keller mit konstant etwa 18 Grad Celsius Raumtemperatur konnten die Besucher die viertgrößte Parlamentsbibliothek der Welt und ihre spannende Architektur entdecken.

Der Bundestag hat mittlerweile den 19. Tag der Ein- und Ausblicke gefeiert und Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit gegeben, hinter die Kulissen zu schauen und sich mit Abgeordneten auszutauschen. (© DBT/iStock.com/Nikada)
Neben den Wissenschaftlichen Diensten, dem zweitgrößten Parlaments-Think Tank der Welt, die sich ebenfalls beim TEA präsentierten, ist die Bibliothek ein wesentliches Standbein, mit dem sich die Abgeordneten ein unabhängiges und umfassendes Bild zu allen Sachfragen machen können. Schnelle Wissensanfragen von Abgeordnetenbüros sind der meistgenutzte Service der Bibliothek. Mehrere hundert Medien werden pro Tag bewegt, trotz eines steigenden Anteils digitaler Verweise.
Beauftragte des Bundestages präsentieren ihre Arbeit
Außerdem informierte im MEL-Haus der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Henning Otte, Ombudsmann für Soldatinnen und Soldaten über seine Arbeit. Mit einer Fotobox-Aktion konnten Besucher vor einer Stellwand Fotopostkarten-Grüße von sich an die Truppe erstellen - und einen Ausdruck mitnehmen. Auch Mitarbeiter des Polizeibeauftragten des Bundes beim Deutschen Bundestag, Uli Grötsch, dessen Amt 2024 eingerichtet wurde, informierten über dessen Arbeit. Direkt daneben erklärte das Team vom Lobbyregister des Bundes, das beim Deutschen Bundestag geführt wird, seine Arbeit und wie das Register funktioniert. An verschiedenen PC-Terminals konnten die Besucherinnen und Besucher die Informationsvielfalt des öffentlichen Lobbyregisters kennenlernen und in den Einträgen stöbern.
In der nun in voller Länge ausgebauten Halle des MEL-Hauses mit Durchblick bis zum „Forum Kunst im Deutschen Bundestag“ wurde dem Publikum zudem Oskar Kokoschkas Porträt von Bundeskanzler Konrad Adenauer aus dem Jahr 1966 gezeigt. Auf dem Außenplateau zur Spree lud eine Snackbar mit DJ und Blick auf das Reichstagsgebäude und das Paul-Löbe-Haus zum Verweilen ein. Im Reichstagsgebäude präsentierte derweil die SED-Opferbeauftragte des Deutschen Bundestages, Evelyn Zupke, ihre Arbeit.
Bürgergespräche in den Ausschüssen
Im Paul-Löbe-Haus (PLH) boten weitere Infostände, Ausstellungen, Mitmach-Aktionen, Vorträge und Führungen die Gelegenheit, sich über die Arbeit des Parlaments und der Bundestagsverwaltung zu informieren. Vor allem die Fachausschüsse stellten hier ihre Arbeit vor. Was ist eine Petition? Wie kann ich sie einreichen? Was passiert damit? Darüber informierte der Petitionsausschuss und ließ die Besucherinnen und Besucher ihr Wissen in Quizspielen testen. Auch die Wissenschaftlichen Dienste, die Denkfabrik des Deutschen Bundestages, waren mit einem Wissensquiz vertreten.

Podiumsdiskussion des Ausschusses für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen mit Marc Bernhard (AfD), Lars Rohwer (CDU/CSU), Moderator Dr. Volker Wagner, Mayra Vriesema (Bündnis 90/Die Grünen), Hendrick Bollmann (SPD) und Katalin Gennburg (Die Linke) im Paul-Löbe-Haus (© DBT/Anika Nowak)
In den Sitzungssälen luden die Ausschüsse des Bundestages zu Bürgergesprächen ein. In lockerer Atmosphäre hatten die Gäste so die Möglichkeit, den Mitgliedern verschiedener Ausschüsse persönlich zu begegnen. Auf der Bühne erwarteten die Gäste zudem zahlreiche Podiumsdiskussionen zu spannenden Themen, die von der Raumfahrt über Fragen zur Zukunft des Sozialstaats bis hin zu Fake News und Social Media reichten. Wer wollte, konnte im Rahmen einer Führung die Arbeitsweise eines Ausschusssekretariates kennenlernen. Bei der beliebten Architekturführung „Band des Bundes“ erfuhren die Teilnehmer mehr über die Baugeschichte der Parlamentsbauten. Bei einer Führung durch die Gebäudetechnik erfuhren Interessierte mehr über die technischen Anlagen und die Energieleitzentrale im Reichstagsgebäude.
Ausstellungen zur Parlamentsgeschichte
In mehreren Ausstellungen konnten die Besucher ihr politisch-historisches Wissen vertiefen, unter anderem zu den Themen: „48/49: Zwei Jahre, zwei Epochen, zwei Verfassungen – ein Land“ zu den Kontinuitäten und Brüchen in der deutschen Verfassungsgeschichte – von der Revolution 1848/49 bis zum Gründungsprozess der Bundesrepublik 1948/49. Aber auch zum Namensgeber des Gebäudes: „Paul Löbe: Sozialdemokrat – Parlamentarier – Reichstagspräsident“, einer Ausstellung anlässlich des 150. Geburtstages des ersten Alterspräsidenten des Deutschen Bundestages.
Eine Besonderheit in diesem Jahr war zudem der Bob der deutschen Olympioniken, der im Paul-Löbe-Haus ausgestellt war. Bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand-Cortina feierten die deutschen Zweierbob-Männer einen historischen Dreifachsieg und gewannen Gold, Silber und Bronze. (ll/03.05.2026)